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Duell der Fragestellungen

2. September 2013

Also heute ist ganz offensichtlich Blog-Tag.

Ich weiß nicht, wer von euch noch, aber ich habe gestern mit einiger Erwartung und auch Spannung das Kanzlerduell und auch seine mediale und öffentliche Widerspiegelung verfolgt.

Ja, ich habe für mich eine(n) Gewinner(in), aber darum soll es jetzt hier nicht gehen. Ich finde auch, dass wir durchaus ein interessantes Duell gesehen haben, was man an dem Pressespiegel eigentlich ganz gut ablesen kann. Denn immer, wenn die Kritikpunkte so weit auseinander gehen und sich die Journalisten nicht einig sind, muss es eigentlich ganz gut gewesen sein.

Was mir aber aufgefallen ist:

Es gab ja nach dem TV-Duell gleich die üblichen „Wer hatte … die Nase vorn“-Spielchen. Interessant ist dabei vor allen Dingen, dass alle Umfragen für sich in Anspruch nehmen, repräsentativ zu sein. Jörg Schönenborn wies in der Sendung Günther Jauch sachdienlich darauf hin, dass diese Repräsentativität nur für diejenigen gelte, die die Sendung gesehen haben. Standardabweichung soll wohl so 2,5 %-Punkte betragen.

Ergebnisse:

  • ARD (Infratest Dimap): Steini 49, Angie 44
  • ZDF (Forschungsgruppe Wahlen): Merkel 40, Steini 33
  • RTL (Forsa): Merkel 44, Steinbrück 43

Also Merkel immer zwischen 44-40 Prozent und Steinbrück zwischen 49-33. Das ist schon ne Spannweite, die bei repräsentativen Umfragen mit Sigma = 2,5% verwundert. Entscheidend war wohl die Formulierung der Fragestellung oder viel mehr: Die Antwortmöglichkeiten. Bei der ARD gab es kein ‚Keiner von beiden‘. Beim ZDF schon.

Die Unterschiede, die mit geringsten Abweichungen zustande kommen können, sind also extrem (immerhin 16 Prozentpunkte). Es erzähle mir keiner mehr, dass Umfragen (also quantitative Sozialforschung) die selbst nach den gängigen wissenschaftlichen Kriterien erfolgen, eine Fehlermarge hätten, die irgendwie unter der von qualitativer Sozialforschung (Einzelfallstudien, etc.) liegen würden.

Letzte Anmerkung: Das heißt nicht: „Traue keiner Statistik, die du selbst gefälscht hast.“ Denn im Normalfall sind die Effekte sehr komplex und können nur bedingt vorhergesagt werden, man muss sie sich aber bei Umfragen anschauen und wissen, dass es sie gibt.

Das wollte ich nur mal zu gestern los werden. Ansonsten fand ich das Duell ansprechend, weil inhaltlich. Damit hat es sich angenehm von der bisherigen Wahlkampfberichterstattung abgehoben.

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From → Politik

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