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Was an Frankreich nervt – und warum ich’s trotzdem mag hier

13. September 2013

Die Bürokratie-Abteilung

Ich hab inzwischen ziemlich viel Bürokratiespaß absolviert und bin inzwischen nahe dran, in der Sichtweite des Endes zu sein.

Aber ich weiß inzwischen wirklich, wo die Asterix-Szene herkommt (Link). Heute ist einer mal mitgekommen und ich hab ja nur drauf gewartet, dass es so endet wie im Film und es gab auch wirklich Szenen, die mich arg an Asterix erinnert haben, aber leider konnten Sie sich beherrschen.

Ich gebe mal ein Beispiel. Ich habe bei Einzug versucht, mich bei der EDF (die, die den Strom hier liefern) zu bewerben und außerdem meine Monatskarte zu beantragen. Zusätzlich dazu brauchte ich für das hiesige Wohngeld noch eine internationale Geburtsurkunde (fragt nicht nach Gründen, es ist einfach so). Diese Geburtsurkunde brauche ich also für das CAF (Wohngeld), damit ich mit dem CAF dann meinen Auslandsbafög-Antrag abschließen kann.

Die Geburtsurkunde aus Berlin, die ich bequem und unkompliziert im Internet in 5 Minuten beantragt habe war schneller hier in Frankreich, als EDF in der Lage war, mir eine Antwortmail zu schicken oder die meine Monatskarte hierher geschickt haben -.-. Deutlich schneller! Das einzige, was schnell ging, war die Eröffnung eines Bankkontos. Das war angenehm. Aber auch die Einschreibung an der Uni, die man vor Ort im Büro machen musste, benötigte über eine Stunde Zeit pro Mann. Und das Problem war, dass Teile der dort verfügbaren Arbeitskräfte auch keine Ahnung hatten, was sie da eigentlich tun und deshalb pro Antrag 10-15 Nachfragen an die eine im Büro stellten, was denn dies und das nun heiße. -.- Und dann bekam man nicht etwa seinen Studentenausweis, neeein. Den bekam man erst am nächsten Tag, früh morgens in einem anderen Büro. Dieser Studentenausweis ist allerdings wiederum notwendig, um hier zu waschen im Studentenwohnheim oder zu kopieren oder mal mit der Karte das Essen zu bezahlen (vergleichbar mit dem EMeal an der Uni). Die Aufladung funktioniert aber nur mit einer französischen Bankkonto-Karte, die ich bis dato noch nicht hatte. Analog aufladen geht auch, aber nur bis 13:30 Uhr. Klar.

Die Beantragung des Navigo (Monatskarte hier in Paris) war im Internet möglich. Allerdings nur mit einem Foto von sich selbst (digital, ist klar) mit einer Beschränkung der Pixelzahl (PIXELZAHL!). Als ich das, weil ich dann schon ewig auf das Ding wartete, mal versucht habe, direkt am Bahnhof zu machen, hab ich den absoluten Klassiker erlebt. Die Damen am Schalter (und es waren nur Damen) sitzen hinter ner Scheibe und die Sprachqualität ist eher mäßig. Für mich n ziemliches Problem. Als ich die Frau nicht verstanden hatte, wahrscheinlich weil ich ne bestimmte Vokabel nicht kenne, hat sie nen super Trick angewandt. Sie sprach LAUTER. Toll. Danke. Jetzt hatte ich es natürlich direkt begriffen. Nämlich, dass ich unerwünscht war. Als ich das Navigo dann an nem anderen Schalter beantragen wollte, hatten die erst PC-Probleme und ich hab erstmal ne 3/4 h gewartet (5. in der Schlange oder so), bevor mir die Dame dann sagte, dass ich den Nachweis brauche, dass ich hier wohne. Ey, ohne Witz. Wenn ich hier nen Uni-Ausweis von ner Uni in Paris habe, wo werde ich dann aller Voraussicht nach wohnen. Und wozu sollte ich mir ein NAvigo holen, das auch nicht gerade mega-günstig ist, wenn ich nicht in Paris wohne? UNd wozu ist das wichtig? Selbst wenn ich in Buxtehude zu Hause wäre, ist es doch denen voll egal, solange ich denen Geld überweise Oo. Die Logik hab ich einfach nicht kapiert. Na ja. Dafür muss man als Neuankömmling erstmal das normale Navigo bezahlen, weil das ImagineR (Die Studenten-Monatskarte) braucht, ihr ahnt es schon, bis zu 3 geschlagene Wochen, bis sie da ist.

Deutsche Bürokratie ist im Vergleich, zumindest was Uni und Bürgerbüro und sowas anbelangt, ein Traum, damit zu arbeiten. Niemand beschwere sich über deutsche Bürokratie, bevor er nicht im Ausland gewesen ist.

Einkaufen

Es gibt im Wesentlichen zwei Punkte, die am einkaufen unglaublich nervig sind. 1. Es ist teuer. Gut, das mag nicht verwundern. Paris ist eine der teuersten Städte Europas und damit wohl auch der Welt. Und ich komme mit Lebensmittel einkaufen ganz brauchbar zurecht und musste halt am Anfang ganz schön was zuschustern, damit ich erstmal hier ne Grundausrüstung hatte. Also vom Geld her wird’s schon hoffentlich irgendwie passen. Nach diesem Monat wird’s besser.

Was aber echt nervt sind die Kassen. Wenn du dritter in der Reihe bist: Also 10-20 Minuten kannste rechnen, bis du durch bist. Nicht nur die Kunden, auch die Kassierer haben hier ne Menge Zeit. Und nachdem der Einkauf dann gemächlich über das Band gezogen wurde, fängt der Kunde auf der anderen Seite an, langsam und bedächtig seinen Kompanie-Einkauf einzupacken. Bezahlt wird dann NACH dem einpacken. Die Bänder sind auch angenehm kurz, sodass man beim einkaufen hier echt Armtraining machen kann.

Der Verkehr

Wenn du überlegst, den Bus zu nehmen: lauf! Fahren und Verkehr ist hier so ne Sache. Also ganz Saint-Denis und Epinay-Villetaneuse sind im Wesentlichen ne Baustelle. Die Straßen sind auch nicht für 10 MIo. Einwohner im Großraum Paris ausgelegt und es gibt keine Haltebuchten und eigentlich nichts funktionierendes, was den öffentlichen Verkehr ernsthaft zur Alternative werden lassen könnte, wenn es nicht gerade die Züge sind.

… und trotzdem

Ich komm langsam in meine Komfortzone. Ich kann mir n Tee machen und hab unter den ERASMUS-Leuten auch schon ne Menge coole Leute kennengelernt. Eigentlich gibt’s kaum jemanden an der Uni Paris 13 (UP13) von ERASMUS, der irgendwie unangenehm wäre. Außerdem hab ich das Gefühl, dass ich im Moment so mit zu den am besten organisierten hier vor Ort gehöre. Weil ich hab schon alles wesentliche (Konto, Monatskarte, Strom, Studentenkarte) habe.

Die Franzosen hier vor Ort sind bisher auch alle sehr nett. Alle regen sich megamäßig über die Bürokratie auf und da hat man auch gleich immer mal ein Thema. Außerdem komme ich im Alltag mit meinem französisch zurecht, was bisher auch eine angenehme Überraschung ist. Uni wird sicher spannend werden, aber das werden wir sehen. Der Vorbereitungskurs hat zumindest erstmal eher ermutigt. Die Leute von der hiesigen ERASMUS-Jugend-Organisation sind auch nett, hilfsbereit und einigermaßen gut organisiert.

Ich habe es auch geschafft, mal mitten in der Nacht, als die Leute in einen Club sind, in den ich nicht reinkam und auch relativ schnell der Meinung war, da nicht rein zu wollen, quer durch Paris von irgendwo, wo ich nicht wusste wo ich bin mit einer LInie, die ich nicht kannte, mich irgendwie so durchzufragen/-schlagen, dass ich im Endeffekt echt an meinem Studentenwohnheim ankam. Respekt! Das hab ich sogar schon ein zweites Mal geschafft. Allerdings war’s da geschummelt, weil ich 1. wusste, wo ich bin und 2. welchen Bus ich nehmen muss.

Der Club war aber auch so ne Erfahrung. Stellt auch ne etwas größere Disko vor, aus der dumpfer Bass dringt. Dazu davor ne Menge Leute aufgetakelt bis zum ultimo mit quasi der Leuchtschrift auf der Stirn „Auf der Balz!“ Dazu dann noch Türsteher, die ihre Macht genüsslich auskosten. Es ist unglaublich krass für mich gewesen zu realisieren, dass es offensichtlich eine ja auch ziemlich Mainstreammäßige Jugendkultur gibt, von der ich keine Ahnung hatte, dass sie wirklich so funktioniert, wie Hollywood sich das in irgendwelchen schlechten Teenie-Filmen vorstellt. Bäh!

Den ersten wirklich schönen Abend hatte ich vorgestern (glaube ich) in Paris in einer Bar namens La Manufacture. Da lief so richtige Musik. Mit gespielten Instrumenten und so. wahnsinn. Und ganz normalen Leuten. (Na gut, normal. Aber zumindest angenehm). Das war ne feine Sache. Ne Metal-Bar hab ich auch schon gesehen.

Der Uni-Koordinator macht bisher auch einen sehr freundlichen und hilfsbereiten Eindruck und ich musste nur selten Sagen „Repitez, s’il vous plaît!“

Also insgesamt wird’s schon funktionieren und ich hatte so letzte Woche meinen Tiefpunkt, als mir Paris wirklich megamäßig auf die Ketten ging. Aber wer weiß, was sonst noch kommt.

Achso eines noch. Falls irgendwer mal irgendwas wissen will, kann man das entweder in Kommentare oder via Mail an mich richten.

Oh ja, das hab ich vergessen. Es nervt noch, dass das CROUS-Netzwerk hier (Crous = Studentenwerk) wahrscheinlich meinen Mail-Ausgang blockiert oder sowas -.-. Deswegen schreib ich im Moment lieber Blog als Mail. Ich kann die Texte hier nämlich abschicken … . Via Mail geht auch, aber nur direkt über GMX und das is irgendwie nervig. Da arbeite ich noch ran, kann aber noch bissl dauern … wenn es überhaupt funktioniert.

Das war’s erstmal. Ich meld mich bei Gelegenheit wieder.

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From → Allgemein

One Comment
  1. Zorrt permalink

    Hehe,
    schön, dasses dir da gefällt und du dich ein wenig eingelebt hast. Und auch schön, mal von ir zu hören, man macht sich ja schon so seine Sorgen. 😀

    Ich mag deine Schreibweise im Übrigen sehr.^^

    Kann man dir eigentlich irgendwie Mails schreiben? Oder dich anderweitig erreichen?

    lG
    Zorrtl

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