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Wie eine Prüfung (fast) den Ruf der Uni rettet

18. Januar 2014

Es gibt ja schon so einige Kuriositäten im Leben, aber dass es nun ausgerechnet eine Prüfung ist, die die Meinung über einen Kurs nach oben korrigiert, gehört sicherlich zu den seltsameren Ausformungen.

Es war so, dass ich heute erstmal meine letzte Prüfung geschrieben habe. Der Kurs hieß „Denkmäler und Kultur“ … in etwa. Problem hierbei war, dass es einfach stinklangweilig war, weil der Typ ohne Luft zu holen in unglaublich hektischer Art pausenlos in 2-3h-Kursen Zahlen und Namen runterratterte, ohne dass es erkennbare größere Zusammenhänge gab. Es war eine reine Darstellung dessen, was passiert ist, eine Historiografie, die keinerlei Erkenntnis für das Hier und Jetzt gab.

Halt klassische Geschichts-Darstellung, wie man es von soo vielen schlechten Vorträgen an der Uni kennt. Der Referent erzählt die Geschichte, begreift aber überhaupt nicht, warum der Professor (dem ich jetzt einfach mal weise Absichten unterstelle) wollte, dass er die Geschichte zum Thema XY erzählt. Deswegen erzählt er, was in Jahr X und was in Jahr Y passiert ist und kommt dann zum eigentlichen … langweilig und überflüssig. Es wird auch während des Vortrages nie wieder darauf Bezug genommen, geschweige denn, dass jemals VORHER erzählt wird, warum der Referierende sich das jetzt so vorgenommen hat.

Wahrscheinlich haben die sich alle ein Beispiel an Kurt Tucholskys „Tipps für einen schlechten Redner“ genommen.

Fang immer bei den alten Römern an und gib stets, wovon du auch sprichst, die geschichtlichen Hintergründe der Sache. Das ist nicht nur deutsch – das tun alle Brillenmenschen. Ich habe einmal an der Sorbonne einen chinesischen Studenten sprechen hören, der sprach glatt und gut französisch, aber er begann zu allgemeiner Freude so: „Lassen Sie mich in aller Kürze die Entwicklungsgeschichte meiner chinesischen Heimat seit dem Jahre 2000 vor Christi Geburt…“

Na ja, auf jeden Fall war die Prüfungsfrage dann „Est-ce que le patrimoine tourné vers le passé?“ Zu deutsch: Sind Denkmäler/Gedenkkultur auf die Vergangenheit gerichtet.

Jetzt muss man wissen, dass mir die Noten hier theoretisch egal sein könnten und auch sind. Es kann halt mal ne Prüfung daneben gehen, sowas kommt vor, ist aber für meine ERASMUS-Förderung nicht so wichtig. Ich denke, ich dürfte alle Prüfungen soweit anständig bestanden haben und dieser Kurs ging mir, wie gesagt, aufn Geist.

Die Frage fand ich allerdings wenigstens mal ein wenig interessant. Woraufhin ich dann das Für und Wider dieser Aussage erörterte, aber insgesamt dann zu einem etwas provokanten Gleichnis ansetzte. Ich schrieb in etwa, dass man ja ungefähr diesen Kurs nehmen könne, um diese Frage zu beantworten. Während der Zahlen-Ratterei sei er unglaublich langweilig mit 0 Bezug zu meiner Gegenwart oder Zukunft gewesen. Aber die Frage fand ich interessant, weil darüber nachzudenken für einen angehenden Geschichtslehrer schon wichtig ist und mir auch was bringt. Insofern war dann meine Antwort „Wenn man daraus Lehren zieht, dann nicht, wenn man es bei der Darstellung des Gewesenen belässt, dann schon.“

Die Uni und insbesondere die Verwaltung der Uni suckt zwar immernoch, aber tatsächlich habe ich mich dabei erwischt, wie die Frage und mein, aufgrund der Unabhängigkeit meiner Selbst vom Ergebnis der Klausur, freies Nachdenken darüber mir den Kurs wieder etwas gerettet hat.

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From → Allgemein

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